Visionen als Fotografin in Salzburg

„Schön dass es sie noch gibt!“, hat mir heute ein Festspielgast entgegengerufen. Etwas, das ich heuer ein paar mal gehört habe, wenn ich als Salzburger Fotografin im Festspielbezirk unterwegs bin. „Ich dachte, Sie fotografieren gar nicht mehr.“

Selbstverständlich ist es nicht, wenn man sich als Fotograf in dieser Branche nach 30 Jahren noch immer behaupten kann. Einfacher ist es nicht geworden. Es wird auch für mich immer schwieriger und das, obwohl mich eh jeder kennt – wie die meisten meinen. Kennen ja – aber ob jeder weiß, was ich derzeit genau mache? Was unsere Agentur macht? Von Hotelfotografie über Social Media bis zu Workshops – und natürlich auch die gute alte Eventfotografie neu interpretiert und Imagefotos und Studio und und und..

Society Fotografen werden kaum mehr gebraucht.

Wenn, dann gibt es seitens der Zeitungen wenig Honorar. So wie früher vor dem Festspielhaus zu warten und Prominente abzulichten bringt nichts mehr. Die großen Festspiel-Galas gibt es nicht mehr. Bleiben ein paar kleinere Kulturaufträge und wenige kleinere Sponsorenaufträge. Fotoproben sind zwar nice to see, aber bringen auch nichts. Ein paar kleinere Empfänge, kurz mal eine Stunde für ein paar Pressebilder – das ist alles.

Wir müssen uns neu erfinden.

Hab ich nicht nur einmal gedacht. Denke ich einmal die Woche. Nur was heißt neu erfinden im Fotografengewerbe? Die Zahl der Gewerbe ist in der Branche exponentiell gestiegen. Viele machen ihr Hobby zum Zweitjob. Hochzeiten und Mädelsshootings am Wochenende. Oft ist die Preisgestaltung der entscheidende Faktor.

In der professionellen Eventfotografie sind wir unschlagbar.

Dachte ich mir. Doch nicht, wenn es um den Preis geht. Immer öfter kommt hier auch bei großen Firmen der Billigstbieter zum Zug. Auch wenn wir nach zwei drei Misserfolgen wieder gefragt werden, kürzt diese Politik unseren Umsatz.

Wir fahren seit der Euro Umstellung die gleichen Preise. Keine Indexanpassung – nichts. Wir sind im mittleren Preissegment angesiedelt. Untere Mitte. Es gibt immer Billigere. Die müssen ja nicht vom Fotografieren leben. Ist ja nur ihr Hobby. Dass ihr Hobby unsere Jobs killt, ist denen oft nur am Rande bewusst – oft auch egal. Spesen verrechnen? Tut doch keiner.

Was für uns bleibt sind die komplizierteren Aufträge.

Die, wo alles sofort sein muss – die wo jeder überfordert ist. Natürlich zum Spitzenpreis. „Sonst kommt der Onkel mit seiner neuen Spiegelreflexkamera und kann das notfalls auch. Ist ja auch gar nicht so wichtig. Geht ja nur um ein paar Reportagefotos. Die macht der Mitarbeiter aus der PR Abteilung mit. Oder der Social Media FH Student. Der hat wenigstens die junge Bildsprache drauf. Und filmen tut er auch gleich und stellt dann alles gleich online. Und für die Presse reicht´s auch. Liest eh keiner mehr.“ – das hören wir täglich.

Die Wertigkeit der Fotografie wurde in der Bilderflut des Social Media Alltags erstickt.

Die meisten Fotografen haben jetzt auch Nebenjobs – um zu überleben.

Mich gibt es als Fotografin in Salzburg noch immer. Hauptberuflich mit unserer Agentur wildbild. Ich versuche mich in meinem Fotografenjob täglich neu zu erfinden. Mit Pressefotografie, Eventfotografie und einer Bildsprache, die aus 30 Jahren Erfahrung schöpft. Das Auge und seine Sehfähigkeit ändert sich nicht so schnell. Die Gewohnheiten vielleicht. Die kann man adaptieren. Täglich neu. Täglich mit Erfahrung kombiniert aus Neuem das gar nicht so neu ist. Weitwinkel, entsättigt und überschärft. Ist heute neu? – gab es vorgestern aber auch schon mal. Unendlich viele Filter – geht heute einfach. Boomerang, slow motion, stop motion – für mich very old school und auf Insta wiederbelebt.

Fotografie Visionen:

Was machen wir in fünf oder zehn Jahren? Nur noch Bewegtbild? Nur noch Handyfotografie? OLED Folien in den Zeitungen? TikTok statt Facebook? Insta für die 90+ Generation? Wie auch immer: Sehen ändert sich nicht so schnell. Bilder ob bewegt oder still gehorchen den immer gleichen Gesetzen.

Die haben wir drauf. Ob on Location oder im Studio. Fotografie ist malen mit Licht. Das wird es immer bleiben und wir von wildbild sind dabei. Auf welchem Instrument wir in 10 Jahren spielen weiß ich jetzt noch nicht. Nur, dass wir spielen werden und dass ich dafür auch Geld oder welches Zahlungsmittel auch immer kassieren werde. Denn wie heißt es in einem Werbespot so schön: „Weil ich es mir wert bin.“ Und wundern sie sich dann ruhig, dass es mich noch gibt.

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