Nacht der Kaiser 2011

Alle Jahre wieder: Des Kaisers Geburtstag in Bad Ischl. Die Ischler vermarkten sich als kaiserliche Sommerresidenz wirklich ganz gut. Wir dürfen alljährlich für den Tourismusverband im Auftrag der Agentur Princess die Nacht der Kaiser via Web Video und Fotoreportage dokumentieren. Inklusive Presseverteiler. Ein Auftrag, der Spass macht. Schließlich ist eines meiner Lieblingsgebiete die Eventfotografie. Davon kann ich gar nicht genug bekommen. Am liebsten täglich! Wenn das dann noch so tolle Veranstaltungen sind wie die in Ischl und auch jährlich das beste Wetter, dann freut uns das umso mehr. Wir von wildbild sind eben die Eventdoku-Kaiser! Zählt schließlich auch.

Festspieltagebuch Teil7: War´s das schon?

Ich hatte heute erstmals wieder Zeit, an die Zeit danach zu denken. Festspiele ok, aber was dann? Das ganze Jahr über müssen wir in Salzburg ja auch von Fotografie leben. Meine zweite Passion sind ja die Web Videos. Bewegtbild Collagen. Perfekt für den Einsatz in Social Media, blogs, Homepages. Man bringt damit Emotionen einfacher an den User. Jetzt in der Festspielzeit hatten wir nur ein Teaservideo für das Schlusskonzert der Sommerakademie gemacht. Auch eine Idee, eine Veranstaltung zu bewerben. Web Videos eignen sich für so vielfältige Zwecke: Zur Event Nachberichterstattung, um Events anzukündigen, im Tourismus, um Landschaften, Hotels, Freizeitaktivitäten für fast alle Sinne ansprechend zu transportieren.

Fehlt nur noch der Geruchslaptop. Das wär ja auch eine Idee für die Festspielaufführungen: Den Geruchsbildner. Wird zwar schwierig, die gut duftende Society oder die verschwitzten stärkeren Männer (warum sitzen die eigentlich immer vor- oder neben mir) zu übertünchen, aber das wär ja mal was Neues. (naja, nicht ganz. Inszenierte Geruchswolken gab es schon des öfteren, aber man ist noch weit weg von einer professionellen Bühneneinbindung. Wär ein neuer Berufszweig – oder?)

Ich merke schon, ich schweife ab. Das passiert oft an stressfreien Tagen. Da kommen mir dann alle möglichen Ideen. Hat eigentlich schon jemand ein selbstglättendes Bügelspray für den Wäschetrockner erfunden?

Ich war ja beim Festspieltagebuch. Also: Nach Prinzessin Madleine kam Gottschalk. Am ersten Tag noch zickig (weil Jetlag), tags darauf dann der gewohnte Sunnyboy für die älteren Damen. Für 60 sieht er wirklich gut aus, nur sein oberlehrerhaftes Auftreten wird immer schlimmer. Meldungen ins Antenne-Mikro wie „heute geht´s um Shakespeare, also auch schweres Brot – nix für euere Hörer“ sind einfach nur arrogant. Geht gar nicht. Die Alternative wär natürlich gar nichts zu sagen – da wären wir noch saurer. Oder vorher nachzudenken – ist wirklich harte Arbeit, wenn man jede Minute etwas Gescheites sagen soll. Ich verzeih´s dem Thomas, weil ich ja auch viel Blödsinn rede und schreibe, obwohl ich weiß, dass Nachdenken den allgemeinen Web-Müll reduzieren würde. Ist aber zu anstrengend und im Google Ranking geht es ja eh nur um die richtigen Stichworte.

Karl Theodor zu Guttenberg wollte eigentlich gar nicht und dann nur ohne Aufsehen fotografiert werden. Schade um seine Karriere, ich war ein echter Fan von ihm. Ohne Doktorarbeit wäre er heute weiter.

Die letzten drei Tage standen für mich wieder ganz im Zeichen der Nestlé-Festspielaktivitäten. Der Young Conductors Award wurde heuer zum 2. Mal verliehen. Eine wirklich stimmige Idee für den Hauptsponsor, zumal Nestlé-Chairman Peter Brabeck-Letmathe ja mal selbst Dirigent werden wollte. Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich auch Brabeck-Fan bin? Von ihm kann man echt was lernen. Seine Authentizität kann gar nicht gespielt sein, das hält keiner drei Tage lang durch und ich war täglich fast 16 Stunden an ihm dran. Er blieb immer cool, beantwortete jede Journalistenfrage souverän, spielt keine Rolle sondern nur sich selbst und lebt seine Konzernphilosophie und ist super unkompliziert. Da könnte sich manches Red Carpet Sternchen ein Beispiel nehmen. Aber die großen Manager sind sowieso immer unkompliziert. Die großen Stars auch. Nur die Manager und Sekretäre eine Stufe darunter können schwierig sein. Machtdemonstration haben wirklich Mächtige nicht mehr notwendig.

Was blieb eigentlich bei mir vom heurigen Round Table hängen? Schafft Kunst und Kultur Identität? So spannend wie im Vorjahr war es nicht. Identität ja. Kultur kann die Welt nicht grundlegend verbessern. Oder doch? Brabeck erzählte von der initiative Waffentausch gegen Musikinstrumente. Wenn nur ein Kindersoldat umdenkt, war es die Sache schon wert.

Ach ja und bevor ich es vergesse: Die Bewegtbildcollage als Fortsetzung des Fotografen-Hinter den Kulissen-Themas: 🙂

Festspieltagebuch Teil 6: Die Magie des Roten Teppichs

Nein, ich geh heute nicht in den Festspielbezirk. Selbst mit dem Risiko was zu versäumen. Gloria wurde heute Mittag im Hirschen gesehen. Die von Thurn und Taxis. Madleine von Schweden soll auch schon in der Stadt sein. Die Schwester einer Kollegin will sie gesehen haben. Wenn sie heute wirklich schon da ist, geht sie sicher im Rahmen des Amadeus Weekend zum Dinner in der Casa Austria. Da kommt man sowieso nicht rein.

Ich krame krampfhaft in meinem Unterbewusstsein nach Ausreden, warum es keinen Sinn macht, sich in die Fotografenschlange vor dem Festspielhaus einzureihen und ertappe mich, dass mein schlechtes Gewissen in mir nagt. Naja, schon mehr: mich auffrisst.
So wie gestern. Da wollte ich nach der Premierenauffahrt zu Cosi gleich nach Hause. Bilder bearbeiten und dann schlafen. Doch die Kollegen blieben noch zur Konzertauffahrt. „Man weiß ja nie“… und den Roten Teppich haben sie ja auch geklebt, samt Absperrung. Das wird normalerweise nur gemacht, wenn Premiere ist oder Promis erwartet werden.

Apropos Roter Teppich. Den gibt es ja seit heuer. Nicht klein und unscheinbar wie in den Vorjahren, so dass man ihn fast verschämt versteckt, sondern richtig rot und breit und wirklich ideal für uns zum Arbeiten. Seit 15 Jahren habe ich mich für einen Roten Teppich stark gemacht. Gut Ding braucht Weile. Schließlich ist so ein banaler Teppich mehr als nur ein Farbklecks auf internationalen Fotografenbildern. Das ist ein Symbol für Oberflächlichkeit, Glamour, Eitelkeit und Verlogenheit. Das passt doch nicht zu den feinsinnigen Festspielen. So ein Teppich ist aber auch Bühne, zeugt von Professionalität und ein Must für jeden größeren Event. Jedenfalls gibt es ihn jetzt. Und das im ersten Jahr, wo ich eigentlich aufgegeben hatte, für irgendetwas im Pressebüro zu kämpfen. Ich nehme was ich kriege und mache nur noch Auftragsarbeiten und Events, für die ich bezahlt werde. Fast. Denn gestern beim Konzert hat uns für das Straßenstehen keiner bezahlt. Dann wenigstens Bilder sparen. Nur beschriftete, bearbeitete und sinnvoll archivierte Bilder sind Kapital. Wenn auch Geringes, seit die Printmedienbranche in die Knie ging.
Manchmal ist es echt schwer, gegen die Kollegen zu bestehen. Das ist wie der Versuch sich nicht von Sumoringertaktiken beeindrucken zu lassen. Er ist garantiert stärker, braucht am Roten Teppich den Platz von drei Fotografinnen und die Wahrscheinlichkeit, dass ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit des Promis zukommt, ist alleine aus eyetracking-technischen Gründen klar. Trotzdem schreien wir uns täglich die Seele aus dem Leib, um die VIPs zum Herschauen zu nötigen. Nur das Bild, wo alle zu dir schauen, zählt. Da hilft nur sich zwischen die Kollegen zu quetschen.
Wir stehen stundenlang im Festspielbezirk und hoffen, dass jemand vorbeikommt, für den zumindest der Kollektivvertrag von 40 Euro pro abgedrucktem Bild bezahlt wird. (Wird kaum mehr bezahlt. Letztens durfte ich einer bayerischen Zeitung 8 Euro verrechnen ☺)

Wir drücken trotzdem ab. Für die deutlich geliftete Mitziebzigerin im wirklich bezaubernden Kleid, die dann doch keiner kennt. Bei Donald Kahn, dem es sichtlich nicht so gut geht. Die Kollegen blitzen ihn gnadenlos nieder. Bei mir ist nach zweimal abdrücken Schluss. Das schreit mein Gewissen schon wieder Alarm. Lasst den Mann doch in Ruhe.
Warum sich Intendant Markus Hinterhäuser immer wieder aufregt, wenn ich ein Bild mit ihm mache, diesmal mehr wegen dem Krone-Redakteurs-Kollegen mache, kann ich nicht verstehen. Das wird unter Garantie nicht veröffentlicht und ist doch nur eine nette Erinnerung. Wir fotografieren uns übrigens ständig gegenseitig. Zu Beginn, um das Licht zu testen, später, um uns die Zeit zu vertreiben. Wir müssen einfach alles was wir sehen festhalten. Augenblicke einfrieren. Das ist auch eine Sucht.
Mucky Degn (Salzburgblicke, ORF) ist schon dazu übergegangen, die Kollegen zu interviewen. Sie hat es noch schwerer, den Promis Statements beim hineingehen zu entlocken. Das Festspielhaus selbst darf schon lange keiner der Societyfotografen mehr betreten. Teilweise kann ich es verstehen, denn wir sind zu viele. Alle zuzulassen, würde nicht gehen. Die Society Fotobranche hat sich verändert. Die Augenblicke, die festgehalten werden, sind nur noch inszeniert. Das wirkliche Societyleben findet woanders statt. Hinter verschlossenen Türen. Und ich muss mich während der Festspielzeit immer wieder ermahnen, dass ich über all dem Promijagen mein Leben nicht vergesse. Denn das findet nicht am Roten Teppich statt.

mangels aktueller Bilder vom Festspielbezirk: Die von gestern und vorgestern. Merkt doch eh keiner.