Festspieltagebuch Teil 5: Angies alte Kleider

Man kann sagen was man will, die Lage ist heuer entspannter. Präsidentin Helga Rabl-Stadler führt das auf die langjährige Freundschaft mit Intendant Markus Hinterhäuser zurück, den ich ja wirklich auch noch nie hektisch erlebt habe. Sogar die Auffahrt mit Angela Merkel funktionierte. Ein roter Teppich und Kordeln wirken Wunder, wenn sich die Promis dann daran halten und nicht durch ein Tor vorher oder nachher spazieren. Dass Merkel ihr Festspielkleid zum dritten Mal trug, will ich nur bemerkt haben. Weder positiv noch negativ kommentiert. Ich finde es nur interessant, dass solche Tatsachenmeldungen auf fb zum Beispiel immer noch mehr Kommentare zustande bringen als jede noch so hochkarätige, intellektuelle oder politische Botschaft. Wahre Emotionen sind nur durch einfache Botschaften zu schüren. Mir geht es dabei auch immer wieder um die Quantität der Kommentare. Ist für das fb Ranking ja nicht unwesentlich.

Leider fehlt mir die Zeit, mir die Produktionen auch anzuschauen. Was ich dabei versäume wurde mir bei der heutigen Young Directors Projcect PK von Montblanc bewusst: Alleine was heuer bei Young Directors Project an kreativen Produktionen dabei ist, ist sehenswert und würde meinen Think-Tank auf Wochen motivieren. Statt dessen dränge ich mich mit Kollegen ums beste Promibild. Da stellt man schon mal seine Gesamtsituation in frage.

Zumal auch die finanziell angespannte Lage der Medien nicht zur Vergrößerung des Umsatzvolumens beiträgt. Es zählt schon lange nicht mehr das beste Bild, sondern meist das billigste. Dabei sein heißt die Devise, um Trends in der Medienpolitik nicht zu versäumen, Meinungsmacher kennenzulernen (und das ist das eigentlich interessante im Festspielgeschehen) und sich zwischen durch auch zu freuen, dass es noch Firmen gibt, die Kultursponsoring betreiben und damit sicherstellen, dass zumindest andere sich Gedanken über Ethik, Politik und Liebe machen können, während wir den Kleidern hinter herjagen und uns um wirkliche Promis und Adabeis prügeln. (dw)

Festspieltagebuch Teil4: Die Spiele beginnen

Hier die Zensurversion unseres Fotografen-Hinter den Kulissen-Videos:

Die Spiele haben begonnen. Gleich in der früh: Aufmarsch der hohen Politik am Mozartplatz. Alles wie immer. Fischer begrüßt das Volk. Walk zum Festspielhaus, das am ersten Tag immer mehr als Straßenbühne für Demokundgebungen genutzt wird. Darunter eine Linzer Laienschauspieltruppe, die eine wirklich coole Demoidee hat: „Euer Neid kotzt mich an“, ist ihre Zentralbotschaft. „Für mehr Rechte für die Reichen“. Naja, wenigstens sorgen sie für bunte Bilder. Die Anti-Pelzdemo und die Für was auch immer Gesundheitsdemo geht dabei unter. Die Grünen verteilen die nicht gehaltene Festspielrede von Jean Ziegler. Schade, dass niemand die Gauck Rede verteilt. Hätte ich auch gerne in Buchform zum Nachlesen. Vormittags geht es unter den Fotografenkollegen noch recht entspannt zu.

Das ändert sich schlagartig im Goldenen Hirschen. Alle sind da und wollen Fürstin Manni fotografieren. Mamarazza und ihre 16 historische Momentaufnahmen. Fürstin Manni zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, die sich trotz ihrer 92 Jahre noch intensiv ihrem Hobby und früheren Beruf, der Societyfotografie widmet. Alle, die einen Fotoapperat besitzen oder sich als Redakteure ausgeben dürfen rein und sich an der Bar im Hirschen fotografisch austoben. Sogar Berliner Kollegen sind gekommen und die drängen richtig. Manni hat ihren Spaß an dem Gedränge und Eliette Karajan sowieso. Sie kennt auch keine Angst vor der blitzenden Menge und drängt selber mittendurch. Der Hirsch war schon immer „the place to be“ und Mamarazza, wie die Fürstin liebevoll genannt wird, war immer mittendrin. Wenn sich für die anderen Fotografen die Türen schließen, dann war die Zeit der fürstlichen Bilder gekommen. Klar, dass sie auch zurück schießt. Bilder, die dann Eingang finden in ihre Alben rarer Meilensteine des Gesellschaftslebens. Aufnahmen von Legenden wie Leonhard Bernstein, Gunter Sachs, Luciano Pavarotti oder Johannes von Thurn und Taxis. An der Bar des Goldenen Hirschen kann man sie den Sommer über bestaunen.

Zur Vernissage kamen Hans Mahr, Elisabeth Auersperg-Breunner (früher Flick), Esther Salis, Eliette Karajan sowie Mannis Sohn Peter mit Schwiegertochter Sunnyi Melles.
Abends dann der Showdown vor dem Festspielhaus: Wer wird kommen? Während alle brav in der Hofstallgasse stehen, fährt Erwin Schrott mit seiner Anna Netrebko vor. Der Figaro kennt keine Schau vor der Meute und drängt sich mit seiner Anna den Weg zwischen den Fotografen frei. Dann kommt Stoiber, jetzt wird es ernst. Warum exakt bei Sylvia Leifheit und Gabriel Barylli das Gedränge keine Grenzen kennt, versteh ich selber nicht. Die bleiben doch ohnehin geduldig stehen. Und wer ist der Neue an Begums Seite? Das rätseln die Redakteure und Fotografen gemeinsam. Vorerst gehen wir ohne Antwort aus.
Wir sind ob der Promibeute alle ganz zufrieden. Ein Sportfotograf, der sonst selten Society macht, weiß jetzt, woher der schlechte Ruf der Branche kommt. Aber eines sei klar gesagt: Es gibt solche und solche. WIR SIND DIE GUTEN 🙂

Festspieltagebuch Teil3: Placement als Minenfeld bei der ISA GALA

Die ISA Party (Internationale Salzburg Assocoiation) ist ein Zusammenschluss kultur- und wirtschaftsinteressierter Salzburg-Freunde (aus dem schwarzen Lager). Traditionell feiern sie vor Festspielbeginn. Heuer einmal mehr in Leopoldskron. Das präsentierte sich dank Wetterglück wirklich wie im Märchen. Wilfried Haslauer, als LH Stv. Präsident der ISA sprach vom Zauber des Augenblicks. Aber auch von der Vergänglichkeit, die die Besucher beim achtstündigen Faust dann sicher auch herbeisehnen. Gleich zu Beginn erzählte er entwaffnend ehrlich, dass das Placement bei so einer Party wie „Tempelhüpfen im Minenfeld“ ist. Prominenz vom deutschen Verkehrsminister Peter Ramsauer, über Wolfgang Porsche, Elisabeth-Maria Schäffler, Renate Thyssen-Henne, Fürstin Manni (92), die heute im Goldenen Hirschen ihre Vernissage hat, Präsidentin Helga Rabl-Stadler (ganz in Rot, wegen MacBeth „Ihr werdet das Kleid noch öfter sehen“), Herbert Batliner, Gerda Duijsik und Konstantin Klien, Doraja Eberle, Karlheinz Essl, Suzanne Harf, Elisabet Hirnigel, Hans Himmer, Hans Mahr, Josef und Waltraud Wöhrer, Wilhelm und Mari Holzbauer, Thaddaeus Ropac, Markus und Olga Winkler, Regina Ovesny-Straka sowie Vizekanzler Michael Spindelegger mit seiner Frau Margit genossen das Menü von Caterer Sepp Schellhorn: Sommerlicher Salat mit Reinanke und Äsche vom Mondsee, Sellerietascherl mit gerösteten Eierschwammerl und Steinpilzen, Vögerl vom Pinzgauer Milchkalb mit jungem Gemüse und Püree, als Dessert ein mit Beeren gefülltes Schokoladen Ei.

Hinter den Fotografenkulissen ging es relativ friedlich zu. Drei deutsche Societykollegen, die allerdings wussten sich perfekt zu benehmen. Profis eben. Und wir Salzburger. Draußen war genug Platz, die Promis geduldig. Dass wir danach nicht beim Essen fotografieren dürfen ist ist nur recht. So können wir abends in Ruhe die Bilder bearbeiten und der erste Vorfestspieltag endet samt Bilderversand gegen 01.00 Uhr.

Festspieltagebuch Teil2: Entspannt beim Fest zur Festspieleröffnung

Die Lage ist entspannt wie schon lange nicht mehr. Eine neue Freundlichkeit scheint im Festspielhaus Einzug gehalten zu haben und das beste: Sie scheint ansteckend zu sein.

Gleich in der Früh ist die Balkenhol Vernissage und der Künstler ist anwesend. Das ist der, der für die Goldene Kugel samt Manderl am Kapitelplatz verantwortlich ist. Seine Werke passen perfekt ins Festspielhaus und Präsidentin Helga Rabl-Stadler will sie nach Saisonschluss auch ungern wieder hergeben. Dafür bräuchte es aber noch Sponsoren. Balkenhol findet man auch im Berliner Reichstag. Dort ist es einfacher, Geld für Kunst zu lukrieren, denn bei öffentlichen Bauten muss ein bestimmter Prozentsatz auch für Kunst für den Bau ausgegeben werden. Wär auch mal eine Idee für Österreich und seine Künstler ☺. Übrigens: Die Präsidentin und ihr Intendant sind freiwillig zum Foto mitgekommen. Intendant Hinterhäuser freilich erst nach präsidialem Verweis: „Stell dich dazu, du bist der Intendant.“ In der Früh will Hinterhäuser noch nicht fotografiert werden. Mittags und nachmittags will er eigentlich auch nicht und abends sowieso nicht, aber als Intendant muss man eben mal. Ein bisserl hat er das schon eingesehen – oder er hat ein Einsehen mit unserer misslichen Lage. Denn Bilder ohne Intendant gehen zumindest rund um die Eröffnungstage gar nicht.
Das ist wie beim Jedermann. Der ist eben so was wie der Salzburger Faschingsprinz. Nicolas Ofczarek hat sich zumindest nach außen hin damit abgefunden und sieht das sehr cool. So cool, dass er noch eine halbe Stunde vor seinem Auftritt für Fotos und Interviews nach der ORF Aufzeichnung zur Verfügung steht. Da werden die Fotografen schon nervöser als er selbst – „müssen sie nicht auf die Bühne?“

Auch die Autogrammstunde (Teil des Fests zur Festspieleröffnung) lief erstmals seit 10 Jahren oder noch länger ohne Gedränge ab. Das untere Pausenfoyer war für den Zweck perfekt geeignet. Der Fotografendompteur HG ließ uns vor den Stars hinein (zwecks kennenlernen der Namen auf den Autogrammkarten, damit wir wenigstens alle zuordnen können.) Danke Hannes!
Dann 2 Minuten ohne Autogrammjäger. Die Stars standen nur für uns Fotografen parat. Gut gelaunt und nett. Wir durften bleiben, solange wir wollten. Wir waren ohnehin nach 15 Minuten fertig. Alle hatten alles. Geht doch. Die Topstars des Festivals fehlten allerdings am Autogrammtisch. Vielleicht war deshalb alles so friedlich. Aber die hatten wir ja schon an den Tagen davor. Noch ein Grund mehr, entspannt in die Saison zu gehen. Hoffentlich bleibt das so. Ach ja …. und die deutschen Kollegen kommen ja erst.

Festspieltagebuch Teil1: Annas Liebesduett und Christian Thielemanns starker Schlag

Ich glaube ich sollte wieder mein Festspieltagebuch schreiben. Auch wenn ich mir dabei nichts Gutes tu. Schließlich will ich (fast) ehrlich berichten, wie es hinter den Kulissen unseres Fotografenbusiness zugeht. Alles kann ich nicht schreiben. Manchmal muss man Informationen oder Bilder einfach weglassen. Zum Schutz der Promis und manchmal auch zum Selbstschutz.

Der Preparty-Reigen hat begonnen. Gleich zwei Veranstaltungen parallel: Anna Netrebko und Erwin Schrott luden im Schlosshotel Fuschl zum sehr exklusiven Charity Dinner. Hier sind wir EINGELADEN. Nicht nur zum Berichten und Fotografieren. Hier dürfen ausgewählte lokale Society-Fotografen und Journalisten Gäste sein, um Emotionen hautnah schildern zu können. Fotos einer Opernromanze, die mehr sagen, als ein 5 Minuten Society-Abschussbild. Und außerdem: Wenn die ersten Salzburg Bilder von Netrebko & Schrott draußen sind, wird der Kampf ums erste Bild weniger hart.
Wildbild Fotograf Günter Freund durfte als Netrebko-Fan diesen Termin natürlich nicht versäumen.

Auch die Festspiele baten zum Künstlerfest. „Fotografen und TV-Teams sind ab 19.30 Uhr bis zum Bieranstich zugelassen.“ ZUGELASSEN. So liest sich die Presseaussendung dazu. Dass dann der Bieranstich schon um 19.00 war, ist Künstlerpech für die Fotografen, die nicht schon früher kamen. (Im Vorjahr mussten übrigens alle vor der Türe warten, die zu früh kamen). Dirigent Christian Thielemann war gerade in Stimmung zum Anschlagen. Ich kam rechtzeitig, schaffte es noch die Karte in die Kamera zu schieben und schon schlug Thielemann auf das Fassl ein. Nur ein Hieb. Ein explosionsartiger Spritzer- und die Sache war erledigt. Kollegin KJ, die extra aus Lofer für den mittlerweile schon traditionellen Bieranstich gekommen war, hatte Pech gehabt. Schön, dass Christopher Maltman, Bo Skovhus und all die Künstler soviel Geduld hatten, sich dann den Fotografen zu stellen. Danke auch dem Presseteam für die Identifizierung des einen oder anderen Künstlers. Bis zum Ende der Saison kennen wir euch. Versprochen.
Ungewöhnlich lange blieben auch Präsidentin Helga Rabl-Stadler und Regisseur Peter Stein im feuchtkalten Garten. Kurz nach 20.00 traf dann unser Presseliebling Ben Becker mit Totenkopf-St. Pauli Shirt und Lederhose ein. Posierte geduldig und stellte sich auch gerne noch mal mit Wirt Hannes Bachmann zum Bierfassl. Für alle, die den Bieranstich versäumt hatten.
Ach ja und bevor ich es vergesse: Danke, dass ich in der exklusiven Runde der Zugelassenen sein darf. Ich hoffe es bleibt auch so, denn ich geb ja unumwunden zu: Ich brauche euch.

Tagebuch von Praktikantin Maxi

Praktikum bei Wildbild. Ein Traum für jeden Fotografen-Praktikanten. Das Klima und Feeling im Studio ist für mich aufregend. Wie im Film. Die Mitarbeiter super nett und sie haben es richtig drauf. Ich wurde sofort ins Team integriert und bekam sogar eine eigene Kamera für mein Making of. Nach den Studio-Shootings für die die Chefin ihre ganzen Geheimkammern ausgeräumt hat (vom Volleyball bis zum Kletterseil war alles dabei), starteten wir zu FUSS!! zu einem Fototermin mit dem Hasen Felix. Ich war ganz aufgeregt! Soo hoher Besuch!!

Nach dem doch nicht so langem Aufenthalt meines Kindheit-Stars (er nahm sich für das Krone Shooting nur 2 Minuten Zeit) marschierten wir wieder zurück ins Studio und machten uns danach bereit für die riesen Show bei Hyundai. Abendgarderobe war angesagt. Sehr schick machten Doris und ich uns auf den Weg. Ich hatte gleich eine große Aufgabe zu bewältigen: Ich musste den Showmitschnitt filmen. Hab es aber Gott sei Dank ganz gut gemacht – hoff ich doch oder Frau Chefin? Die Anspannung war extrem. Trotzdem war es überwältigend zu sehen, was als Top-Fotograf auf mich zukommt. Es war das beste Praktikum überhaupt und ich würd es immer wieder machen. Vielen Dank liebes Wildbild-Team, ich habe sehr viel gelernt von euch – ihr seit SPITZE!! (ma)

Praktikantin bei wildbild. Für uns heißt das normalerweise Mehrarbeit. Mehr aufpassen. Begeisterung sieht bei mir (Chefin Doris) anders aus. Diesmal: Ich war überrascht. Obwohl erst 15 Jahre alt war Maxi gleich eine Checkerin. Fragt nicht viel handelt. Schaut zu, hilft im richtigen Augenblick mit, stellt wenige aber intelligente Fragen. Danach eine Kindergeschichte für die Krone. Nachdem sie sich am Vormittag im Studio recht gut anstellt, darf sie abends mit zum Event. Wie spannen sie sogar gleich ein. Sie darf den Gesamtmitschnitt der Showeinlage filmen. Wir haben zwar Plan B (ich war schon am Vortag dort) aber eine durchgehende Tonspur haben wir noch nicht. Maxi ist sichtlich nervös, aber da muss sie jetzt durch. Sie will ja was lernen. „Learning by doing“ ist meine Devise.

Ich bin vom Ergebnis überrascht. So gut hatte ich das gar nicht erwartet. Was Bildausschnitte betrifft: Ein Talent.
Tag darauf treffen wir uns beim Designerflohmarkt am Kapitelplatz. Ein paar Pressebilder für die Altstadt, Presseaussendung dazu, Social media für den Kunden. Auf zum nächsten Termin: Wieder Studio. Wir arbeiten den zweiten Tag und auch heute ist wieder 12 Stunden Programm. (Für alle die jetzt an Sklavenarbeit denken: Es gab Pausen und verhungern muss niemand.) Abends dann Party am Kajetanerplatz. Party für die anderen. Wir arbeiten. Maxi beschränkt sich auf Assi-Sein. Tasche tragen und Lernen durch zusehen.

Tags darauf muss sie noch einmal zeigen was sie gelernt hat: Eventfotos beim Schulschlussfest im Europark. Der erste Durchgang. Ok. Ich zeige ihr noch mal, wie man bei manchen Bildern noch besser steht, noch mehr Leben reinbringt. Zweiter Durchgang: Echt gelungen. Vor allem die gestellten Bilder sind wirklich pressetauglich. Schade, dass wir Maxi jetzt wieder hergeben müssen und da sie aus Bayern ist, hat sie sogar noch drei Wochen Schule.