Wildbild im Festspielklick: Vorspiel

Festberichterstattung in einer Stunde

Ein persönlicher Blick der Salzburger Fotografin Doris Wild von Wildbild.at auf die Salzburger Festspielsociety

Das Künstlerfest der Salzburger Festspiele beim Krimpelstätter hat Tradition. Es ist ein Welcome für die Schauspieler und Sänger. Genau eine Stunde lang waren auch Fotografen und Journalisten zugelassen.
Societyberichterstattung in einer Stunde. Das hat Vorteile: Ich kann die Wäsche vorher in die Waschmaschine geben und wenn ich heimkomme ist sie fertig. Dann kann sie gleich weiter in den Trockner.
Aber es hat auch Nachteile: Sensibles Kennenlernen der Künstler und ihrer Eigenheiten ist so nicht möglich. Ehrliche Blicke hinter die Kulissen der Festspiele natürlich auch nicht.


 

Medienprofis wie Michael Schade wissen was zählt: „Ich komme gerade aus Toronto, morgen kommt meine Familie nach“ erzählt er im ersten Satz und im zweiten: „Das Young Singers Project wird es auch heuer wieder geben.“ Diesmal ohne glamourösen Sponsor. Zwei Sätze, zwei Fakten. Da kann man vom einfachen Sager bis zur Story alles daraus machen.
Joseph Kaiser, ebenfalls Kanadier und Tenor, ist auch einer der Unkomplizierten. Er darf heuer das Fassl beim Krimplstätter anschlagen. Bisher Michael Schades Spezialdisziplin. Doch der überlässt den Hammer gnädig seinem Landsmann. Die Presseabteilung hat es so entschieden. Wirt Hannes Bachmann erklärt Joseph kurz wie das geht und der macht es perfekt. Harter Schlag, Spritzer bis in alle Kameras und dann gemeinsames Prosten mit dem Intendanten und so lange Posieren bis auch der letzte Fotograf alles im Kasten hat.

Christine Schäfer kommt mit dem Rad – auch ein Bild . Sie lächelt nur ungern in die Kamera. Wenn ich aber daran denke, wie lange ich für ein Abschussbild im Vorjahr gewartet habe, bin ich um jeden Schnappschuss dankbar und nutze die Gelegenheit. Schäfermotive sind selten. Dank Schäfers Smalltalk mit Suzanne Harf bekommen wir doch noch ein paar private Details mit. Salzburg wird von Schäfer auch genutzt, um mit ihren zwei Kindern Ausflüge zu unternehmen. Naja, immerhin.
Kurz bevor unsere erlaubte Anwesenheitszeit abläuft, noch ein letzter Höhepunkt. Ben Becker, der neue Tod im Jedermann kommt. Ich drücke gleich mal vorsichtshalber ab. Da spricht er mich an. „So geht das nicht. Wer sind sie?“ Mich wundert, dass ihn das interessiert. Wir sind Fotomeute, die sein Bild in die Welt transportiert. Das läuft doch überall gleich. Persönliche Beziehungen zu den Stars gibt es kaum noch und wenn dann nur nach längerem täglichen Sehen. Brav stelle ich mich vor. „Doris Wild, Fotografin.“
Nach ein paar Sekunden Durchschnaufen stellt er sich zum Motiv mit Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und Schauspielchef Thomas Oberender. Nicht ganz nach Wunsch, denn wir hätten die Party gerne mit Bierkrügen symbolisiert. Diskussionen darüber sind zwecklos, denn der Zeiger der Uhr tickt. Wir müssen raus. Keine weiteren Fragen. Für Interviews ist keine Zeit, für Smalltalk sowieso nicht. Schließlich will man sich nicht das Pulver für eine erste Vorstell-Pressekonferenz verschießen. Die Medienshow ist schließlich Teil der Gesamtdramaturgie in dem Stück das Salzburger Festspiele 2009 heißt. Und zuhause wartet ohnehin die Wäsche und will in den Trockner umgeräumt werden.