Tag 10 im Festspielbezirk und die Erkenntnis: Auch der Tod ist nur ein Mann


 

Schnürlregen. Kalt. Keine Promis. Da sitzt Ben Becker mit Spielzeugpistole im Triangel. Dabei hat er seine Tochter gerade am Flughafen abgeliefert. Sein Spielzeug also. Stolz präsentiert er seine jüngste Errungenschaft. Ein ferngesteuertes Auto. Das hat er visuell mit Klebern aufgebessert und jetzt sitzt er auf seinem Bankerl und freut sich, wie das Auto im Regen zwischen den Passanten herumkurvt. Salzburg scheint den bösen Buben gezähmt zu haben. „Spiel mir das Lied vom Tod“, philosophiert er vor sich hin und wundert sich, dass seine Spielzeugpistolenknaller bei der Feuchtigkeit nicht rauchen. Einen ferngesteuerten Hubschrauber hätte er auch noch gern, doch für heute hat der Spielzeugladen schon geschlossen. Bleibt also nur eine weitere Runde mit dem neuen Spielzeugauto.

Schade, dass ich seine Lesung nicht gehört hätte, findet er. Finde ich auch, aber an dem Tag war einfach zu viel zu fotografieren. Bei ihm waren Fotografen ja unerwünscht. Von ihm ist auch bekannt, dass er schon mal ausrastet, wenn jemand bei einer Lesung fotografiert. Und dann erklärt er mir warum. Das Klicken störe ihn in seiner Konzentration und störe auch das Publikum. Ein Klicken zerstöre seine Kunst, zerstöre seine Lesung. Wenn ein Fotograf sich trotz vorher kommuniziertem Fotoverbot nicht an die Vorgaben hält, kann es schon mal vorkommen, dass er dessen Kamera zu unsanft entwendet und auch zerstört.

Jetzt kenn ich mich aus. Diese Reaktion kann ich zumindest nachvollziehen. Ich hab ja früher mal mit schwer erziehbaren Kindern gearbeitet. Die funktionieren auch nach diesem Prinzip. Und ein Bad-Boy Image will schließlich auch medientauglich vermarktet werden. Wir Fotografen brauchen solche Typen. Wir leben davon. Auch wenn wieder mal einer aus unserer Runde draufzahlt. Solang ich es nicht bin …..