Neue Buhlschaft und neuer Jedermann in kontrolliertem Ambiente.

Zweifellos, die Sache hat nationale Bedeutung. Fast ein Staatsakt: Die Präsentation der neuen Buhlschaft Birgit Minichmayr und des neuen Jedermann Nicholas Ofczarek. Ich gebe zu, dass auch ich bei solchen Terminen nervös bin. Nicht wegen der Bedeutung der Personen, eher wegen dem fotografischen Umfeld. Da muss in wenigen Sekunden alles passen. Pünktlich werden die beiden vorgeführt. Bewacht von einem Heer an Pressebetreuern und Managern. Die wollen nur unser und deren bestes. Sagen sie. Der Anfang läuft gut. Photocall vor der Pressekonferenz. Das ist perfekt. Wir jubeln. Ist heuer alles anders? Einfacher für uns? Perfekte Arbeitsbedingungen? Grüne statt weiße Schirme auf einer Presseterrasse? Naja. Besser als rote, die sind der Supergau.

Wir alle (rund 20 Bildberichterstatter) haben 15 Minuten. Jeder hat ein paar Sekunden zum abdrücken. Der Reihe nach. Perfekt. Die beiden stehen auf dem von uns bevorzugten Punkt. Alle haben mal ein Bild. Dann wollen wir die Einzelfotos. Jedermann alleine, die Buhlschaft alleine. Das wird schon mal abgelehnt. Wird nicht gewünscht. Warum? Darauf bekommen wir keine Antworten. Die Pressekonferenz beginnt. Wir dürfen abdrücken wie alle steif am Podium sitzen, Hände unterm Tisch. Dann werden wir verabschiedet. Vor der Pressekonferenz! Fotografen raus ?!?! Bilder mit natürlicher Gestik, lebendig, wie Schauspieler sind, sind auch nicht gewünscht. Kurze Zeit später müssen sogar die Kamerateams das Feld räumen. Auch sie stören im Journalistengespräch. Wer jetzt meint, die Kollegen der schreibenden Zunft haben das große Los gezogen – Irrtum! Die genehmigten Einzelinterviews müssen zur Kontrolle dem Management vorgelegt und freigegeben werden.

Diese Art von kontrolliertem Journalismus hat es schon mal gegeben. Totale Kontrolle und Kunst? Kontrolle und Kultur? Ist das nicht ein Widerspruch?