Nestle nonstop im Festspielbezirk

Weg von der Oberfläche, hin zur intensiven Diskussion dank Nestle. Drei Tage Inhalte nonstop. Fakten auf den Punkt gebracht. Mit ein Grund, warum ich meinen Blog etwas vernachlässigen musste. Zuviel gab es zu berichten, sofort zu bearbeiten, für die Printmedien aufzubereiten. Nestle hatte Journalisten zur Medienlounge mit Peter Brabeck-Letmathe geladen und der Verwaltungsratspräsident, der übrigens früher selber mal Dirigent werden wollte, bestach mit Fakten und Theorien, die für mehrere Stories reichen.
Der für mich interessanteste Aspekt: Biodiesel ist eigentlich Schwachsinn. So hat er es natürlich nicht formuliert. So verkürze ich die Aussage. Brabeck: „Man muss sich bewusst sein, dass es ein intimes Verhältnis zwischen Lebensmittelmarkt und Energiemarkt gibt. Beides sind Kalorienmärkte. Diese Kalorien brauchen zur Produktion Wasser. Und Agrarfläche.“Klingt logisch. Der Energiemarkt ist 20 mal so groß, wie der Lebensmittelmarkt. Brabeck glaubt, dass mit sinnvollem Umdirigieren das Ernährungsproblem der Weltbevölkerung halbwegs in den Griff zu bekommen wäre. Das Verhältnis vegetarische zu tierische Ernährung verbraucht 1:10 Liter Wasser. Dann prasselten Zahlen auf die Journalisten nieder, die durchaus überzeugten. Nachzulesen in den Tages- und Wochenzeitungen.
Die Schlussfolgerung: „Kein Lebensmittel darf für Energie eingesetzt werden. Wir müssen ressourcenschonender arbeiten. Wirtschaftswachstum ist Wertwachstum. Werte schaffen mit weniger Ressourcen.“
Ich bin schon mal gespannt, was LR Sepp Eisl zu diesen Argumenten sagen wird. Der ist ja für Biodiesel.

Gleich danach lud Nestle zum Round Table. Leadership and Creativity war das Thema, das von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth, Walter Kielholz (Swiss Re), Konzertintendant Markus Hinterhäuser, Dirigent Yannick Nézet-Séguin, Peter Brabeck-Letmathe und WTO General Pascal Lamy diskutiert wurde.
Selten so einen spannenden Nachmittag erlebt!

Abends stand Orfeo am Programm, danach Dinner in Hellbrunn. Hier konnten die Ansätze des Tages weiterdiskutiert werden.
Dazwischen gab es auch immer wieder Möglichkeiten für Einzelinterviews. Ich frag mich ja nur, wann schlafen so Big Bosse wie Brabeck eigentlich. Der sieht morgens unglaublich entspannt aus und das trotz täglichem Abendprogramm. (ich werde noch versuchen, hier rauszufinden, was sein Geheimnis ist. Gesunde Ernährung kann es jedenfalls nicht sein.)

Tags darauf stand das Konzert des Young Conductor Award Preisträgers am Programm. Ein gutgelaunter entspannter Nestle Boss begrüßte Journalisten und Kunden und lud ins Konzert. Mit David Afkham wurde hier wirklich ein Talent entdeckt. Darin waren sich alle einig. Dann Stehlunch. Promismalltalk, Feier und abends hieß es für Brabeck wieder Opernprogramm mit den verbliebenen Podiumsgästen (Roth, Kielholz, Lamy).

Die Dinner und Pausenempfänge sind das Geheimnis der Salzburger Festspiele. Denn hier beginnt Weltpolitik.Weltwirtschaft. Zumindest ansatzweise.