London: Shopping oder Running: Zum Marathon kann vieles werden

LONDON 1. Tag

Ist gar nicht so einfach , wenn man mit einer Gruppe Alpha-Männchen in London unterwegs ist. Schon die Anreise zu unserem Hotel The Strand Palace (super Lage, viel zu kleine Zimmer, zu schmale Doppelbetten, kann sonst gar nichts, reicht aber zum Schlafen, Hotels in London sind grundsätzlich zu teuer) wurde zur Herausforderung. Jeder wollte die Reiseleitung übernehmen. Den kürzesten Weg per U-Bahn wusste keiner. Also trennte sich die Gruppe. Hubert und Thomas machten die Anreise zum Wettkampf. Naja: Meine Gruppe war zweiter.

Der Grund unserer Reise: Für die anderen: Der London Marathon – für mich ein Shopping Marathon.
Also: Keine Zeit versäumen und auf in die Oxford Street. TopShop zeigte mir, dass ich farblich mit meinen Interpretationen richtig liege: Türkis und Orange . Viele Kleidchen in A-Linie, Alles sehr leicht geschnitten. Sieht meist ziemlich schwanger aus.
Dafür finde ich einen Tripple-Gel BH. Der ist die Investition von läppischen 25 Pfund in jedem Fall wert.
London ist ein Schuhparadies . Bunte Highheels in allen Farben. Crazy, ausgefallen, böse, rockig, punkig. Man sieht die Modelle überall, getragen werden sie auf der Straße beim Shopping nur spärlich. Auch hier setzt man auf Bequemlichkeit.
Abends hat Hubert den Asiaten Hakkasan ausgesucht. Er hat bereits im Februar vorbestellt, um für April 8 Plätze zu bekommen. So ist das in London. Man muss da auch mit dem E-Mail Ausdruck kommen, um den Platz auch zu bekommen. Alles nicht so einfach. Beim Reingehen sehen wir: Hier waren wir schon mal – oder gibt es das Lokal mehrmals? Wie auch immer: Das Essen war sensationell. Nicht ganz billig aber Preis-Leistungs gerecht. (55 Pfund fürs Menu, 13 Prozent Servicezuschlag, und dann noch die Getränke).

LONDON 2. Tag

The Wolseley hatte Hubert schon vor einem Jahr als Treffpunkt für unser Frühstück gebucht. Ein Szenecafe, das zwar nicht die freundlichsten Mitarbeiter hat, als Location aber top ist. Leider mit Fotografierverbot und die Wachhunde passen gut auf. Alles schmeckt aber und ist wie immer auch nicht ganz billig.

Danach starten wir zum ersten Shopping-Fixpunkt: Abercombie. Die Schlange davor ist überblickbar und wieder rätseln wir, was Menschen dazu treibt, sich wegen ein paar Shirts und Sweater in eine Schlange zu stellen und geduldig zu warten, bis man rein darf. Sind es wirklich die gut gebauten Jungs, die halbnackt (wow, der Body kann wirklich was!) zum Foto bitten oder die Verkäufermodels, die jeden lässig mit Hi Guys begrüßen und besser tanzen als beraten oder ist es nur der Duft, der einen um den textilen Verstand bringt und von dem man nach einer halben Stunde ohnehin Kopfweh kriegt? Wir denken nicht weiter nach, sondern tun, was alle tun: Kaufen. Was zählt ist die Shoppingbeute im schwarz-weißen Sackerl.
Dann trennen wir uns, denn Marathon-Shopping kann nur im Alleingang erfolgreich sein. So schnell wie ich scoutet niemand und ich will heute durchstarten.

Die anderen kennen ohnehin nur noch ein Thema: 42,195 Kilometer und wie man den Torturen ein Schnippchen schlägt. Mich interessieren weder Laufleiberl noch Magnesiumampullen. Mir sind auch die neuesten Schuhe für den nächsten Marathon egal. Was für mich zählt sind Londonschnäppchen oder Marken, die man bei uns nicht bekommt, wie Firetrap. Superdry haben wir, aber in London ist die Auswahl größer und die Shirts und Hosen sind etwas billiger. Die kollektive Kaufeuphorie bleibt hier dennoch auf der Strecke. Jack Wills ist ebenso eine interessante sportliche Kollektion und bei Ted Barker bereue ich, dass ich keine Handtaschen brauche.

Nach ein paar Stunden Asphaltrunning von Shop zu Shop dope ich mich mit einem Eclair und Starbucks Latte und freue mich auf unser Abendessen beim angesagtesten Italiener der Stadt: Le Caprice (Arlington Street) , um bei den besten Desserts seit langem über die Tücken des langen Laufens im Detail informiert zu werden. Während alle reinhauen, da der Kalorienverbrauch für die morgige Anstrengung nicht hoch genug sein kann, plagt mich mein schlechtes Gewissen. Selbst die Stufen der UBahn beim Covent Garden über 6 Stockwerke sind nicht genug Bewegung, um all die kulinarischen Sünden abzubauen. Ich überlege schon einen Abendspaziergang, lande aber dann doch im Hotelbett vor dem Fernseher. Tagwache soll ja um 6.30 sein. Für die Läufer. Mein Fanstart wird für 13.00 angesetzt. Zwei Straßen vom Hotel entfernt. Mal schauen, ob wir wen sehen…

Tag 3
Günter steht um 6.00 auf. Ich schlafe weiter. Das Running Team Conny, Christian, Susi, Thomas, Hubert, Christina und Günter müssen zum Start. Ich muss zum Frühstück, denn auch Sonntags kann man in London shoppen. Allerdings erst um 12.00. Also ausschlafen und dann raus rund um Covent Garden. Gegen 13.00 sollte ich ja bei Kleopatras Nadel sein, um das Running Team anzufeuern. Also kann ich nicht zu weit weg. Konditoreien rund um unser Hotel und ein wirklich guter Fast Food Japaner versüßen mir die Wartezeit, bis alle der Reihe nach auftauchen. Günter sieht mich auch und wir machen sogar ein Foto zusammen. Run on heißt es für ihn. Weitershoppen für mich.