Festspieltagebuch Teil7: War´s das schon?

Ich hatte heute erstmals wieder Zeit, an die Zeit danach zu denken. Festspiele ok, aber was dann? Das ganze Jahr über müssen wir in Salzburg ja auch von Fotografie leben. Meine zweite Passion sind ja die Web Videos. Bewegtbild Collagen. Perfekt für den Einsatz in Social Media, blogs, Homepages. Man bringt damit Emotionen einfacher an den User. Jetzt in der Festspielzeit hatten wir nur ein Teaservideo für das Schlusskonzert der Sommerakademie gemacht. Auch eine Idee, eine Veranstaltung zu bewerben. Web Videos eignen sich für so vielfältige Zwecke: Zur Event Nachberichterstattung, um Events anzukündigen, im Tourismus, um Landschaften, Hotels, Freizeitaktivitäten für fast alle Sinne ansprechend zu transportieren.

Fehlt nur noch der Geruchslaptop. Das wär ja auch eine Idee für die Festspielaufführungen: Den Geruchsbildner. Wird zwar schwierig, die gut duftende Society oder die verschwitzten stärkeren Männer (warum sitzen die eigentlich immer vor- oder neben mir) zu übertünchen, aber das wär ja mal was Neues. (naja, nicht ganz. Inszenierte Geruchswolken gab es schon des öfteren, aber man ist noch weit weg von einer professionellen Bühneneinbindung. Wär ein neuer Berufszweig – oder?)

Ich merke schon, ich schweife ab. Das passiert oft an stressfreien Tagen. Da kommen mir dann alle möglichen Ideen. Hat eigentlich schon jemand ein selbstglättendes Bügelspray für den Wäschetrockner erfunden?

Ich war ja beim Festspieltagebuch. Also: Nach Prinzessin Madleine kam Gottschalk. Am ersten Tag noch zickig (weil Jetlag), tags darauf dann der gewohnte Sunnyboy für die älteren Damen. Für 60 sieht er wirklich gut aus, nur sein oberlehrerhaftes Auftreten wird immer schlimmer. Meldungen ins Antenne-Mikro wie „heute geht´s um Shakespeare, also auch schweres Brot – nix für euere Hörer“ sind einfach nur arrogant. Geht gar nicht. Die Alternative wär natürlich gar nichts zu sagen – da wären wir noch saurer. Oder vorher nachzudenken – ist wirklich harte Arbeit, wenn man jede Minute etwas Gescheites sagen soll. Ich verzeih´s dem Thomas, weil ich ja auch viel Blödsinn rede und schreibe, obwohl ich weiß, dass Nachdenken den allgemeinen Web-Müll reduzieren würde. Ist aber zu anstrengend und im Google Ranking geht es ja eh nur um die richtigen Stichworte.

Karl Theodor zu Guttenberg wollte eigentlich gar nicht und dann nur ohne Aufsehen fotografiert werden. Schade um seine Karriere, ich war ein echter Fan von ihm. Ohne Doktorarbeit wäre er heute weiter.

Die letzten drei Tage standen für mich wieder ganz im Zeichen der Nestlé-Festspielaktivitäten. Der Young Conductors Award wurde heuer zum 2. Mal verliehen. Eine wirklich stimmige Idee für den Hauptsponsor, zumal Nestlé-Chairman Peter Brabeck-Letmathe ja mal selbst Dirigent werden wollte. Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich auch Brabeck-Fan bin? Von ihm kann man echt was lernen. Seine Authentizität kann gar nicht gespielt sein, das hält keiner drei Tage lang durch und ich war täglich fast 16 Stunden an ihm dran. Er blieb immer cool, beantwortete jede Journalistenfrage souverän, spielt keine Rolle sondern nur sich selbst und lebt seine Konzernphilosophie und ist super unkompliziert. Da könnte sich manches Red Carpet Sternchen ein Beispiel nehmen. Aber die großen Manager sind sowieso immer unkompliziert. Die großen Stars auch. Nur die Manager und Sekretäre eine Stufe darunter können schwierig sein. Machtdemonstration haben wirklich Mächtige nicht mehr notwendig.

Was blieb eigentlich bei mir vom heurigen Round Table hängen? Schafft Kunst und Kultur Identität? So spannend wie im Vorjahr war es nicht. Identität ja. Kultur kann die Welt nicht grundlegend verbessern. Oder doch? Brabeck erzählte von der initiative Waffentausch gegen Musikinstrumente. Wenn nur ein Kindersoldat umdenkt, war es die Sache schon wert.

Ach ja und bevor ich es vergesse: Die Bewegtbildcollage als Fortsetzung des Fotografen-Hinter den Kulissen-Themas: 🙂