Festspiele Tag22: Warten auf Anna


 

Toleranztag. Ex –D-Umweltminister Klaus Töpfer bekommt von Felix Unger (Präsident der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste) den Toleranzpreis. Die Botschaft seiner Rede: Nicht nur Rohstoffe aus Afrika exportieren sondern auch Wertschöpfung vor Ort stattfinden lassen. Gute Theorie. Ich wär dabei. Weniger Fleisch essen. Verringert die Methangasproduktion. Da bin ich sowieso schon dabei. Für mich muss keine Kuh und kein Schwein frühzeitig sterben. Ich ess lieber deren Grünzeug. Und viele weitere wirklich spannende Theorien. Nach vier Stunden im SN-Saal 12 Stunden vor dem Festspielhaus. Der Lagerkoller nimmt zu. Anna Netrebko wird zur Probe erwartet. Die Medien wollen das Foto. Gestern hatten wir ja abends vergeblich gewartet. Anna kommt mit einer Stunde Verspätung fährt fast bis zum Tor mit einem Taxi vor, sprintet hinein. Hält sich die Hand vors Gesicht. Anna von hinten. Anna ist schlecht gelaunt ist zu erfahren. Passt. Wir auch.

Dann beginnt das Warten. Sie muss ja auch wieder raus. Denkste! Weiter warten. Keine Spur von Anna. Nur ein Ablenkmanöver der Saaldiener. Sie fahren mit einem Audi raus, verdecken mit Zeitungen die Fenster. Die Fotografen stürzen zum Auto – die Saaldiener grinsen hinter den Zeitungen hervor und fahren wieder zurück. Nach rund 4 Stunden Wartezeit vor dem Festspielhaus hat von den Fotografen keiner Verständnis für diese Verarsche. Wir haben nur Hunger und Durst. Aber jede Sekunde Abwesenheit kann zum Problem werden. Also stehen bleiben und Hoffen. Dirigent Barenboim kommt raus. Aha. Probe beendet? Anna hört jetzt in einem Technikraum die Aufnahmen ab. Wir hoffen weiter. Dann das Gerücht: Anna ist weg. Durch den Hinterausgang. Der ist nicht mehr besetzt, da einige Fotografen zu anderen Terminen mussten. Vielleicht kommt sie zu Fidelio. Wieder warten. Auffahrtsalltag. Beckenbauers, Porsches. Wir Fotografen als Störung der Hochkultur? Oder notwendiges Übel, um Hochkultur auch in boulvardeskem Zeitungsambiente anteasen zu können? Fakt ist: Seitens des Festivals will man uns nicht. Die promineten Gäste größtenteils schon. Die Beobachter auf der anderen Seite der Absperrung sowieso. Hat was von Zoo. Irgendwann reicht es uns. Das Hungergefühl ist stärker als der visuelle Beutetrieb und außerdem: Anna kommt nicht mehr. Sorry, bin sauer. Da ändert auch der Rest an Nestle-Schokoplättchen, Baccios und KitKats nichts, die ich alle in mich hineinstopfe.