Erstes Festspielresümee nach vier Tagen

Nein, ich will mal nicht jammern. Es war heuer besser als sonst. Kaum Gedränge. Brave Fotografen-Linien. Woran das lag? Es waren kaum Promis da. Doch von vorne: Die Entzerrung des Gesamtprogramms zu Beginn hat den Vorteil, dass man wirklich überall hingehen kann und auch mehr Platz für die Geschichten in den Zeitungen hat. Start war das Fest zur Festspieleröffnung. Einfach toll. Davon braucht Salzburg mehr. Festspiele für alle.

Der erste Jedermann vor der Eröffnung. Warum nicht? 20.30 ist allerdings eine zu späte Beginnzeit. Fernsehübertragungszeiten hin oder her – wenn der Premierenbieranstich erst um 0.30 anfängt, ist das einfach mühsam. Für die Veranstalter hat es den Vorteil, dass die Fotografen freiwillig nicht länger bleiben wollen. Schließlich muss ja auch alles noch aufgearbeitet werden.
Ankunft in den Kutschen. Schön. Aber eben nur halb so toll in schwarzer Nacht. Draußen auf der Straße die Interviews und der erste Fotocall. Gedränge. Stärker sogar als beim Schlussapplaus, bei dem peinlicherweise die Kameras wieder mehr auf die Zuseher in den Reihen (Prinz Constantijn, Siegfried (ohne weißen Tiger) und Niki Lauda gerichtet waren, der weil die Künstler sich verbeugten. Diese Inszenierung müssen wir unsererseits noch verbessern. Wird aber nicht gelingen. Wir sind nun mal so.
Da helfen nur rigorose Verbote.

Tag 2 dann die Eröffnung des Welttheaters 2010. Üblicher Begrüßungseinmarsch. Viele Fotografen. Wenig Gedränge. Grund siehe Tag1. Wegen der österreichischen Politikerriege schlägt sich keiner.
Abends Ödipus Premiere auf der Pernerinsel. Alle wollen Brandauer. Den kriegen wir auch, verspricht Pressechefin UK. Die Promiriege wie am Vortag. Jedermänner mit Familie. (Simonischek und Ofczarek). Leider waren die nicht gemeinsam auf ein Bild zu bekommen, was auch daran lag, dass sie nie im gleichen Umfeld waren. Gesucht haben sich die beiden jedenfalls nicht. Otto Schenk, Katja Burkhard und Hans Mahr, Vranitzkys, Franz Welser-Möst, und die Kulturministerin. Es ist kalt auf der Pernerinsel. Wer die Sommernacht im Innenhof genießen will, muss warm angezogen sein. Wir warten weiter auf Brandauer. UK verspricht uns die Schauspieler zusammenzustellen, wenn wir auf einer angesagten Linie vor dem Partyzelt stehenbleiben. Wir bleiben mal stehen. Drinnen sehen wir Brandauer. Die Linie rutscht von Sekunde zu Sekunde ins Zeltinnere. Wir blitzen mal los. Auf Brandauer. Der schnappt sich die Minichmayr fürs Bild. Gutes Foto. Weiter so. Doch da ist auch schon wieder Ende. Ein offizielles noch mit Thomas Oberender. Und die anderen Schauspieler? Es ist wieder nach Mitternacht. Wir sind müde und müssen ja noch Bilder bearbeiten. Also keine anderen Schauspieler. Kennt eh keiner. Ich weiß. Wir Kunst- und Kulturbanausen. Aber Interesse wird auch durch Societyfotos geschürt. Auch Interesse am Theater verkauft man durch Geschichten. Keine Geschichte. Kein Theater. Wir sind brav und machen kein Theater. Ödipus wird keine Societygeschichte. Minichmayr und Brandauer. Was sollen wir daraus machen, fragen die schreibenden Kollegen. Bin gespannt, wie sie die Kurve zu Ödipus kriegen.

Tag 3: Montblanc Special. Der Hollywoodstar. Val Kilmer. Iceman. Star aus Top Gun. Zum Pre Cocktail im Goldenen Hirsch kommt er 20 Minuten vor Premierenbeginn. 2 Interviews, wenige Fotos und dann schnell ins Republic zur Young Directors Premiere Innenschau. Zu schnell für PR Lady Brigitte Gauss, die neben der VIP Limousine in Stöckelpantöffelchen läuft. Sie ist für die Gesamtorganisation verantwortlich. Dass ihre Limo beim Poller durchkommt, dafür hat sie gesorgt. Vergisst aber in der Hektik, dass der Poller gleich wieder hochkommt und stürzt über den Poller drüber. Erstes Fußgängeropfer. Blutiges Knie.
Die Fotografen warten bereits vor dem Republic. Obersaaldiener Hannes (muss mal seine Funktionsbezeichnung checken), der für das gute Benehmen von uns Fotografen zuständig ist (und seit Jahren den härtesten und wahrscheinlich besten Job macht) hat die Lage im Griff. Eva und Adele bleiben sowieso stehen, Simonischek auch. Wieder einmal: Fast entspanntes Arbeiten. Nur Holoywoodstar Val Kilmer geht zügig ohne Stehenzubleiben durch.
Bei der anschließenden Premierenfeier in der Villa Kast bei Thaddaeus Ropac glänzt er durch Abwesenheit. Wir müssen draußen bleiben. Alle. Fotos am Teppich davor. Da ist Platz. Die Promis bleiben stehen. Funktioniert ja.

Früher war das anders. Da durften wir dabei sein. Berichten. Nicht nur Statements sammeln. Großteils vorgefertigt. Da waren wir aber nur 3 Societyfotografen und nicht 30. Und ein Kamerateam und nicht 7. Und dann waren da auch noch Promis. Richtige Promis. Was soll´s. Ist Geschichte. Zu sehen im Museum bei der 90 Jahre Ausstellung.
Junk zollt auch hier Tribut. Media Junk Food.