90 Jahre Jedermann ohne Pardon für die Salzburger Fotografen

Schon die Einladung zu 90 Jahre Jedermann versprach für uns Fotografen nicht viel. Wir dürfen in einiger Entfernung erst dann vor der Bühne fotografieren, wenn bereits alle Gäste und Schauspieler oben stehen. Im Innenhof der Residenz gibt es eine Fotomöglichkeit hinter der Kordel. Der nette Hinweis, „nehmt die Teleobjektive mit“, war nicht umsonst. Grundsätzlich spricht ja nichts gegen die Abzäunungsidee, um die Fotomeute in Zaum zu halten. Wer sich wie Tiere aufführt, kommt wie die Tiere hinter einen Zaun. Soweit ja noch ganz ok. Nur diesmal waren es ja nur 5 Profis und ein paar Knipsis. Keine Gefahr also für die Schauspieler. Dennoch: Wir mussten hinter die Absperrung. Und dort wurden wir uns selbst überlassen. Keiner, der die Promis offiziell zu uns geleitet hätte. Versuche unsererseits, zu den Stars zu gelangen wurden abgewiesen. „Wir sind hier, um euch zurück zu halten“, erklärten uns die Saaldiener. Nur, wer war hier, um uns zu helfen, wenn wir keinerlei Eingriffsmöglichkeiten hatten? Eine aus der Meute durfte dann ohne Fotoapperat ins Stargelände und den Ex-Buhlschaften und Ex-Jedermann Maximilian Schell zu erklären, dass wir auf ein paar Bilder warten. Zusammengestellte Motive. Sekundenbruchteile zum abdrücken.

Das funktionierte dann ganz gut. Leider waren die aktuellen Jedermann-Stars nicht mehr im Residenzhof. Das wären ja nette Bilder gewesen mit aktueller Buhlschaft und den vier Alt-Buhlschaften. Oder Ex Teufel Branko Samarovski mit Jungteufel Peter Jordan. „Die sind beim Abschminken.“ Das erfuhren wir unter der Hand. Sie kommen aber alle ins K&K Festungsgasse. Dort war freilich für uns bereits im Vorfeld wieder Fotoverbot ausgegeben worden. Eventuell ein paar Bilder beim Hineingehen auf der Stiege wären möglich. Ob es sich dafür lohnt, eine weitere Stunde zu warten? Für Bilder wie – Ben Becker und Niki Ofczarek rennen an uns vorüber oder bleiben kurz stehen? Dafür riskieren, dass man für die erste Zeitungs-Lieferung verloren hat? Keine aktuellen Bilder ausschicken sondern lieber auf Vollständigkeit setzen? Freilich ohne Garantie, ob man etwas vor die Linse bekommt. Nein danke. JETZT ZICKE ICH MAL! Ich würde gerne Anekdoten bringen von früheren Jedermännern (war eh nur einer, Maximilian Schell, da) und Buhlschaften. Wie es damals war im Unterschied zu heute.

Da wir aber nur in Schreiabstand zu den Stars stehen, sind Interviews so nebenbei nicht möglich.
90 Jahre Jedermann sind sicher wert, auch vom unterhaltsamen Standpunkt beleuchtet zu werden. Nicht nur intelektuelle Standpunktinterpretationen und Inhaltsbeleuchtungen sondern Gschichterln, die im Gedächtnis bleiben. Die weitererzählt werden. Von der Jubiläumsveranstaltung kann ich nur eines erzählen: Wir mussten draußen bleiben. Vielleicht war ja doch ein Feuilleton-Journalist dabei, der noch berichten wird. Nein, ich bin nicht eifersüchtig auf die Kollegen. Aber wir in Salzburg hatten eine Tradition. Da gab es weniger als eine Hand voll Society-Presse und die durfte dabei sein. Früher. Damals. Als es noch Geschichten zu schreiben gab und nicht nur Vorkommnisse mit Gästelisten.